Captain Marvel – Wie Carol Danvers das MCU revolutioniert

Titelbild: © Marvel Studios/Walt Disney Company

Mit Iron Man begann im Jahre 2008 die Erfolgsgeschichte des größten Film-Franchises des 21. Jahrhundert und das Marvel Cinematic Universe war geboren. Seitdem haben die Marvel Studios reihenweise Rekorde gebrochen und gelten als eines der fortschrittlichsten Filmstudios unserer Zeit. Und auch, wenn die meisten Blockbuster aus dem Hause Marvel definitiv Top-Shelf-Entertainment sind und sicherlich als bahnbrechend bezeichnet werden können, so ist einer der wichtigsten Filme der Reihe zweifelsohne der 2019 erschienene Captain Marvel.

Kleines Heads-Up: Es folgen Spoiler für Captain Marvel – wer den Film also noch nicht gesehen hat, holt das jetzt schnell nach und kehrt dann hierher zurück!

Kaum zu glauben, aber es ist wahr: Bei Captain Marvel handelt es sich um den einundzwanzigsten Film in der gefeierten Reihe. Umso unglaublicher ist es, dass die Protagonistin Carol Danvers, gespielt von Brie Larson, die erste weibliche Superheldin ist, die ihren eigenen Solo-Movie bekommt. Natürlich sind seit 2008 in so gut wie jedem Film starke weibliche Charaktere zu sehen: von Pepper Potts und Peggy Carter über Natasha Romanoff und Gamora bis hin zu Hope van Dyne bis hin zu Valkyrie und Wanda Maximoff – die Auswahl ist groß. Doch so wichtig, wie diese Heldinnen auch für die Filme sind, sie allesamt spielen die zweite Geige neben ihren männlichen Kollegen. Mit Captain Marvel wendet sich allerdings endlich das Blatt.

 

Worum geht es in Captain Marvel?

Das Set-Up

Die von den Kree, einem Volk Außerirdischer, aufgenommene Vers, die sich nicht an ihr Leben vor ihrer Rettung erinnern kann, findet sich in einem Krieg gegen die gestaltwandelnden Skrull wieder – einem Volk, das laut der Anführer*innen der Kree und derer höchsten Instanz, der Obersten Intelligenz, eine terroristische Bedrohung für das gesamte Universum darstellt und ausgelöscht werden soll. Durch einen Unfall hat Vers Superkräfte, die sie in ihrem Training zu kontrollieren lernt und die durch ein von den Kree geschaffenes Implantat im Zaum gehalten werden.

Während einer Starforce-Mission wird Vers von ihrem Team getrennt und von einigen Skrulls gefangen, die in ihrem Unterbewusstsein nach nützlichen Informationen suchen und schließlich auf Koordinaten stoßen, die sie auf die Erde führen. Nachdem sie es schafft zu fliehen findet sich auch Vers auf der Erde wieder, wo sie prompt auf den S.H.I.E.L.D.-Agenten Nicholas Fury trifft. (Ja, Agent – der Film spielt in den 1990ern, also weit vor den Geschehnissen von Marvel’s The Avengers. Fury hat hier sogar noch beide Augen.)

Zwischen Kämpfen gegen die Skrulls, die, dank ihrer Fähigkeit, ihre Gestalt verändern zu können, S.H.I.E.L.D. unterwandert haben, und der Erkenntnis, dass Vers einst die US-Air-Force-Pilotin Carol Denvers war, reisen sie nach Louisiana zu Carols ehemaliger Kollegin und bester Freundin Maria Rambeau, um herauszufinden, was genau mit ihr passierte an dem Tag, an dem sie ihre Erinnerungen verlor. Unerwartet tauchen auch hier die Skrulls auf – allerdings in friedlicher Absicht. Ihr Anführer Talos erklärt, dass sein Volk lediglich auf der Flucht vor den Kree ist und eine dauerhafte Bleibe sucht, nachdem ihr Heimatplanet zerstört wurde. Geholfen hat ihnen dabei eine abtrünnige Wissenschaftlerin der Kree, Mar-Vell, die es geschafft hatte einen Raumschiff-Antrieb mit der Energie des Tesseracts zu erschaffen, der den Skrull eine schnellere Flucht ermöglichen sollte.

From Zero to Hero

Carol kann sich schließlich erinnern – daran, dass sie Mar-Vell kannte, die sich damals Dr. Lawson nannte und ihre Mentorin war, daran, dass sie ihr bei einem Testflug half, der in einem Unfall endete, und daran, dass der Leiter ihres Teams bei der Starforce, Yon-Rogg, Mar-Vell umbrachte. Damit der mächtige Antrieb nicht in die Hände der Kree geraten konnte, zerstörte Carol ihn, was dazu führte, dass sie seine Kräfte absorbierte und ihre Erinnerungen verlor.

Carol, Fury, Maria und Talos schaffen es, Dr. Lawsons geheimes Labor zu finden, das seit ihrem Tod von einigen Skrulls als sicheres Versteck genutzt wird. Dort finden sie auch den Tesseract und nehmen ihn in Gewahrsam.

Die Starforce hat es mittlerweile geschafft, Carol zu lokalisieren, und sie tauchen im Labor auf. Sie nehmen Carol gefangen und schicken sie zur Obersten Intelligenz. Während dieses Treffens entfernt sie das Implantat, das ihre Kräfte reguliert hat, und schafft es so, sich aus der Kontrolle der Kree zu befreien.

Nachdem sie nun ihr volles Potenzial erreicht hat, gelingt es Carol – jetzt im ikonischen Captain-Marvel-Kostüm – Yon-Rogg im Zweikampf zu besiegen und die Kree ein für alle Mal zu vertreiben. Schließlich beschließt sie, de Skrulls zu helfen, ein neues Zuhause zu finden und verabschiedet sich von Fury mit dem Versprechen, zurückzukehren, wenn es einen Notfall auf der Erde geben sollte. Sie überreicht ihm einen modifizierten Pager – genau den Pager, den wir bereits aus einer der letzten Szenen aus Infinity War kennen.

Die letzte Sequenz des Films zeigt Nick Fury, der in seinem Büro sitzt und an einem Konzept für eine Initiative bestehend aus Superheld*innen arbeitet. Er ruft auf seinem PC ein Bild von Carol und ihrem Kampfjet auf, auf dessen Seite ihre Air-Force-Spitzname zu lesen ist: „Avenger“. Lächelnd ändert Fury den Namen seines Projekts in „The Avenger Initiative“.

Genau dieser Initiative – den Avengers, wie wir sie heute kennen, stattet Carol in der Post-Credit-Szene einen Besuch ab. Im Avengers-Hauptquartier sind die nach dem Blip auf der Erde verbliebenen Held*innen um den zuvor erwähnten piepsenden Pager herum versammelt. Die Sequenz endet mit dem plötzlichen Erscheinen von Carol, die nach Fury fragt – damit wird ihre Geschichte offiziell mit der der anderen Helden im MCU verknüpft.

© Marvel Studios / Walt Disney Company

 

Captain Marvel als feministische Revolution

Nach elf Jahren epischer Blockbuster markiert Captain Marvel einen Umschwung in der Landschaft der Superhelden-Filme. Carol Danvers ist nicht nur ein guter, dreidimensional geschriebener Charakter, sondern vor allem eine starke, selbstbewusste Frau, die sich in einer von Männern dominierten Welt durchsetzt und lernt, aus den ihr von höheren Instanzen auferlegten Konventionen auszubrechen – sei es nun ein nicht gestatteter Testflug mit ihrer Mentorin oder die volle Entfaltung ihrer Fähigkeiten, sie folgt ihrem eigenen Verständnis davon, was richtig und wichtig ist und trifft ihre Entscheidungen unabhängig davon, was Männern in höheren Positionen ihr vorschreiben. Eine Szene, die sehr bezeichnend hierfür ist, ist ihr finaler Kampf gegen Yon-Rogg.

Zu Beginn des Films sehen wir die beiden beim Training, wobei es Carol schwerfällt, ihre Kräfte zu kontrollieren. Yon-Rogg fordert sie auf, sich zusammenzureißen, ihre Emotionen beiseitezuschieben und ihn ohne den Vorteil, den ihre Fähigkeiten ihr einbringen, gegen ihn zu kämpfen. Als die beiden sich ein letztes Mal gegenüberstehen, wiederholt er diese Forderung – jedoch wird er in seiner Rede durch einen Energiestrahl unterbrochen, der ihn meterweit wegschleudert. Carol bricht hier los von den Überzeugungen, die sie in ihrem jahrelangen Training von ihrem Lehrer vorgebetet bekommen hat, und sagt sich somit auch von der alten Hierarchie los, in der er ihr überlegen war. Etwas Feministischeres habe ich selten im modernen Kino gesehen und Marvel versucht hier nicht einmal, die Nachricht hinter diesen Szenen subtil zu vermitteln.

Generell strotz Captain Marvel von feministischem Spirit. Nur ein weiteres Beispiel ist die wunderbare Szene, in der Carol einem Biker, der sie provokant auffordert, ihm ein Lächeln zu schenken, sein Motorrad stiehlt. Diese Szene auf der großen Leinwand zu sehen, war unglaublich zufriedenstellend – welche Frau hatte nicht schon einmal den Wunsch, einem Idioten, der sie auf der Straße blöd anquatscht, eins auszuwischen?

Carol ist in diesem Film gewissermaßen eine Verkörperung dessen, was Frauen sich wünschen, in unserer Gesellschaft tun und sein zu wollen. Ob das nun bedeutet, dem wichtigtuerischen Chef zu widersprechen, den männlichen Kollegen zu zeigen, dass man den Job viel besser macht als sie, einem Catcaller eine angemessene Quittung für sein Verhalten zu verpassen… die Liste ist lang. Das Empowerment, das ich als junge Frau gefühlt habe, als ich diesen Film das erste Mal gesehen habe, ist unbeschreiblich. Wie ich es kurz nach Film-Release auf Tumblr gelesen habe: „Wenn Männer sich jedes Mal so poweful fühlen, wenn sie aus einem Kinosaal kommen, dann ist es kein Wunder, dass sie die Welt regieren.“

© Marvel Studios / Walt Disney Company

 

Die Zukunft von Frauen im MCU

Mittlerweile, drei Jahre nachdem der Film auf der großen Leinwand lief, ist ein Sequel des Kassenschlagers geplant, der Black Widow Solo-Film ist nur noch wenige Wochen entfernt und Marvel hat weitere Filme und Serien mit weiblicher Hauptrolle angekündigt. Captain Marvel hat also wirklich einen Stein ins Rollen gebracht und wir können auf weitere grandiose starke weibliche Heldinnen-Geschichten hoffen.

In der Zwischenzeit kann ich jeder und jedem nur ans Herz legen, sich diesen Meilenstein der Kinogeschichte anzusehen. Neben Brie Larsons wunderbarer Performance, den für Marvel typischen atemberaubenden Action-Szenen und dem ungezwungenen Humor, der sich besonders dank Nick Fury und der Katze Goose durch den Film zieht, besticht der Streifen auch mit einer grandiosen Ästhetik, mit Charakteren, die sich echt anfühlen und natürlich dadurch, dass er einige Lücken schließt, die bisher im MCU-Canon offengelassen wurden. Kurzum – ein absolutes Muss für Fans des Franchises und solche, die es werden wollen. Denn obwohl er der 21. Teil einer Reihe ist, lässt er sich auch problemlos als Standalone anschauen.

In diesem Sinne: Viel Spaß und wir lesen uns beim nächsten Mal!

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Geschrieben von Julia Dohm
Redakteurin im Bereich: Movies
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2 Kommentare
  1. Als Nicht Comic-Kenner war mir Captain Marvel ein völlig unbeschriebenes Blatt als ich ihn im Kino erstmals sah. Nach dem Film war ich um einiges schlauer und ein Fan von Captain Marvel. Das MCU neben Natasha und all den weiblichen Heldinnen um eine der stärksten Superheldinnen reicher. Fan des weiblichen Actionkino war ich schon immer. Und alles angefangen hatte einst mit der wunderbaren Milla Jovovich. Heute bin ich Fan vieler wunderbarer Frauen die den Männern den Rang anfangen abzulaufen. Zuletzt konnte ich Elizabeth Olsen bei Disney+ in WandaVison bewundern. Und demnächst schlägt Milla wieder zu. Und nicht zu vergessen die wunderbare Karen Gillan. Starken Frauen gehört die Zukunft.

    Liebe Grüße von einem Fan und Bewunderer weiblichen Actionkinos.

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