Loki – Rekapitulation der ersten Folge

Titelbild: © Marvel Studios/Disney+

Es ist so weit – die erste Folge der lang erwarteten Loki-Serie ist endlich draußen! Ich als selbsterklärter Loki-Fan und Expertin auf dem Gebiet habe, wie ich zu meiner Schande gestehen muss, tatsächlich viel zu lange gebraucht, um sie mir anzusehen. Meine Nerven waren buchstäblich auf Glatteis. Die Erwartungen, die ich an die Serie hatte (und immer noch habe) waren groß, aber ebenso groß war auch meine Sorge, dass sie ihren Job nicht gut macht, meine Angst, dass sie der Komplexität, die wir vom Gott des Schabernacks gewohnt sind und all den versteckten Charakterzügen, die man in den Filmen bisher nur zwischen den Zeilen erahnen konnte, nicht gerecht wird.

Nachdem ich nun also die erste Folge gesehen habe, kann ich schließlich sagen: Meine Sorgen waren absolut unberechtigt. In den knapp 50 Minuten sehen wir mehr von Lokis Charakter als in all den vorherigen Filmen zusammen. Was genau davon mich positiv überrascht hat und warum der Take der Showrunner:innen auf diese Version des Gottes meiner Meinung nach das Beste ist, was in dieser Serie hätte passieren können, darüber möchte ich in diesem Text gern sprechen.

An dieser Stelle spreche ich eine Spoilerwarnung für die erste Folge von Loki aus. Wenn ihr die noch nicht gesehen habt, dann macht das jetzt und kommt danach gern wieder zurück!

 

Was passiert eigentlich in Loki?

Bereits die ersten beiden Marvel-Serien aus dem Hause Disney haben sich inhaltlich mit großen und wichtigen Themen auseinandergesetzt. Während WandaVision von Trauer und Verlust erzählte, befasste sich The Falcon and the Winter Soldier mit Rassismus, sozialer Ungerechtigkeit und Traumabewältigung. Wer nun denkt, dass ihn mit der neuesten Disney+-Produktion leichtere Kost erwartet, der irrt. Zugegeben, die Trailer und Teaser sahen sehr nach Buddy-Cop-Komödie aus, doch auch Loki hat auf einer Meta-Ebene eine weitaus größere Agenda als bloß die Geschichte des Gottes nach Avengers: Endgame.

Aber lasst uns von vorn anfangen. Endgame ist hier genau das richtige Stichwort, denn hier beginnt die Reise des Protagonisten. Im Jahre 2012 gelingt es Loki, den Avengers mit dem Tesseract zu entkommen, als der Tony Stark aus 2023 versucht, den Infinity Stone in die Hände zu bekommen. Damit zerstört der Gott des Schabernacks allerdings den vorbestimmten Fluss der Zeit und wird von der TVA – der Time Variance Authority – festgenommen. Vor einer Verurteilung mit fataler Strafe rettet ihn der Agent Mobius, der seine Hilfe dabei braucht, eine gefährliche Varianz durch die Zeit zu jagen.

Statt Loki also seinem schrecklichen Schicksal zu überlassen, versucht er stattdessen, ein ernsthaftes Gespräch mit ihm über ihn und seine Motivationen zu führen. Loki, immer noch skeptisch der TVA gegenüber, weigert sich jedoch zu kooperieren, sodass Mobius die schweren Geschütze auffahren muss. Als jemand, der die gesamte Zeitlinie kennt, ist er in der Lage, Loki Geschehnisse aus dessen Zukunft zu zeigen – in diesem Fall Szenen, die wir als Zuschauer:innen schon aus Thor: The Dark Kingdom kennen. Insbesondere Friggas Tod nutzt er, um irgendwie zu Loki durchzukommen, doch das Verhör wird von anderen Mitarbeiter:innen der TVA unterbrochen. Danach geht alles drunter und drüber: Loki gelingt die Flucht und eine Jagd durch die Zentrale beginnt.

Kurze Zeit später findet Loki sich erneut in dem Verhörraum wieder und schaut sich, neugierig wie er ist, weitere Szenen aus seiner Zukunft an. Odins Tod, Konversationen mit Thor auf Sakaar und sogar seinen eigenen Tod durch Thanos. Und genau diese Bilder sind das, was ihn schließlich zur Kooperation bewegt, als Mobius ihn findet.

© Marvel Studios/Disney+

 

Lokis Charakter in der Serie

Meiner Meinung nach ist die Route, die die Serie mit dieser Version von Loki einschlägt die Beste, die die Showrunner:innen für ihn hätten wählen können. Die Art und Weise, wie sein Charakter in der Serie wohl gezeichnet wird, war tatsächlich meine größte Sorge im Vorfeld der Premiere. Der 2012er Loki hat schließlich die Charakterentwicklung noch nicht durchgemacht, die seither bis zu seinem Tod in Avengers: Infinity War passierte und ich hatte Angst, dass er als eindimensionaler Charakter gezeichnet würde. Oder – vielleicht sogar noch schlimmer – dass eine Version seiner Selbst geschaffen würde, die so gar nicht dem entspricht, was wir in den letzten Jahren von ihm gesehen haben.

Lokis Charakterentwicklung fand oft im Subtext der Filme statt und vieles musste zwischen den Zeilen gelesen werden und Fans stellten bereits seit Jahren Theorien auf über seine Gefühlswelt, seine wahren Motivationen, schrieben auf Twitter, tumblr und co. über winzige Szenen, in die Unmengen an Charakter hereininterpretiert werden konnten. Die erste Folge von Loki gab mir das starke Gefühl, dass die Macher:innen der Serie sich dessen absolut bewusst sind und vielleicht sogar Inspiration für einige Szenen in Fan-Foren gefunden haben könnten. Ein Beispiel dafür ist der Tod Friggas, den Mobius Loki zeigt. Ich bin sehr häufig auf Posts gestoßen, die darüber sprachen, dass er nach ihrer Ermordung so am Boden zerstört war, weil nicht zuletzt er derjenige war, der die Dunkelelfen in ihre Richtung gewiesen hat. Genau das kommentiert Mobius: Dass Loki sich Vorwürfe macht und er die Schuld am Tod seiner Mutter trägt.

Ein weiteres Beispiel, das vielleicht weniger subtil ist, sind die gemischten Gefühle, die Loki Odin gegenüber hegt. Die Wut auf ihn ist unabstreitbar, aber im Grunde suchte Loki stets bloß nach der Anerkennung und Liebe seines Ziehvaters. Die Szene, in der Loki Odins Tod in Ragnarok sieht, spricht Bände über genau diesen inneren Konflikt: Er beginnt zu weinen. Insgesamt fand ich die Sequenz, in der er sich seine Zukunft anschaut, unheimlich bezeichnend, denn so emotional haben wir diesen Charakter auf der großen Leinwand selten gesehen. Wo sonst in den Filmen zumeist nur Wut, Verachtung, Enttäuschung und Rache als Emotionen waren, sehen wir jetzt eindeutig Liebe, Bedauern und Trauer – eine Palette an Gefühlen, von denen wir wussten, dass er dazu in der Lage ist und dass er sie bloß hinter einer Fassade aus Boshaftigkeit und Gewalt versteckt.

Auch diese bei Fans beliebte Lesart – Loki als emotionaler Charakter, der quasi bloß eine Rolle spielt – ist nun ausdrücklich bestätigt worden. Mobius fragt ihn wiederholt, ob er Freude daran hat, andere zu verletzen. Nachdem er seine Zukunft gesehen hat, beantwortet Loki die Frage endlich: Nein. Hat er nicht. Das alles ist bloß ein Mittel zum Zweck, um anderen Respekt und Angst vor sich selbst einzuflößen. Diese Perspektive auf Loki ist unheimlich wichtig und rückt all das, was er bisher im MCU getan hat, noch einmal in ein ganz anderes Licht und macht – meiner Meinung nach – seinen Tod noch etwas tragischer.

Wo wir gerade dabei sind: Mich als Zuschauerin hat die gesamte Sequenz zu Tränen gerührt. Lokis Reaktion auf die Tode seiner Eltern, zu sehen, wie sehr es ihn mitgenommen hat, wie gerührt er war, als er sah, dass sowohl Frigga und Odin als auch Thor ihn trotz all seiner Missetaten immer noch geliebt haben. Und unweigerlich die damit einhergehende Realisierung, dass er alle drei nie wiedersehen kann, da er nun als Varianz außerhalb der Zeitlinie existiert… das war offen gestanden fast zu viel für mich. Auf so eine Flut an Emotionalität war ich in der ersten Folge der Serie überhaupt nicht eingestellt, was aber auf keinen Fall heißt, dass es nicht gut war. Denn das war es absolut. Nun bin ich allerdings sehr gespannt, ob weiterhin auf diese verwundbare, emotionale Seite des Protagonisten eingegangen wird, oder das eine einmalige Sache war.

Eine weitere Sache, die die Serie bestätigt hat, ist, dass Lokis Tod in Infinity War tatsächlich endgültig war. Seit der Film 2018 erschien, waren Fans zwiegespalten und wiesen auf kleine Details hin, die eine Illusion des Gottes nahelegten. Allein die Tatsache, dass er, der ein Jahr lang in Thanos‘ Gefangenschaft war und wusste, wie mächtig der Titan war, versuchte, ihn mit einem einfachen Dolch anzugreifen, kam vielen seltsam vor. Die Serie tilgte nun allerdings jegliche Hoffnung, dass er ein Schlupfloch gefunden hatte und heimlich doch noch irgendwo am Leben ist, denn seine Todesszene ist die letzte, die der Projektor in der Serie wiedergibt. Lokis Zeitlinie ist damit beendet. Keine Chance auf Wiederkehr.

© Marvel Studios/Disney+

 

Der Sinn des Lebens und der Fluss der Zeit

Zu Beginn dieser Kolumne hatte ich es bereits angesprochen: Die Meta-Ebene, die die Serie hat. Im Gegensatz zu den Vorgänger-Serien ist das, womit Loki sich beschäftigt, weitaus existenzialistischer. Im Grunde wird die Frage aufgeworfen, inwieweit die Entscheidungen, die wir treffen, überhaupt eine Rolle spielen und ob es nicht doch eine Art der Vorbestimmung, ein Schicksal gibt, das alles Geschehen diktiert. So wird Loki in der ersten Folge mit der Tatsache konfrontiert, dass es einen Zeitstrahl gibt, der vorherbestimmt ist, und dass alle Abweichungen von dieser Zeitlinie ausradiert werden. Sein gesamtes Weltbild wird damit auf den Kopf gestellt, war er doch zuvor der festen Überzeugung, zu 100 Prozent Herr seiner Selbst zu sein und jede Entscheidung in seinem Leben selbst zu treffen.

Was, so stellt sich anschließend die Frage, ist überhaupt der Sinn hinter allem, wenn ohnehin alle Entscheidungen, die man trifft, für einen gemacht werden? Wenn man keine Kontrolle über das hat, was einem widerfährt oder wohin das Leben einen lenkt? Das Thema, das Loki hiermit öffnet, ist zutiefst philosophisch und hat mich sehr nachdenklich zurückgelassen, nicht zuletzt, weil ich mich frage, ob sich diese Motive von Sinn und Schicksal weiterhin durch die Serie ziehen werden. Und falls ja, ob die Serie in dunklere und ernste Töne abdriftet, oder ob sie es schafft, das lockere und witzige Flair aus den Teasern und Trailern beizubehalten.

 

Was ist mit dem Multiversum?

Bisher wissen wir noch nicht allzu viel über kommende MCU-Filme. Was wir sicher wissen, ist allerdings, wie der nächste Doctor Strange heißen wird, nämlich Multiverse of Madness. Aber Moment – Multiverse? Das kann eigentlich gar nicht sein. So, wie es in Loki erklärt wurde, gehört das Konzept des Multiversums nämlich der Vergangenheit an und stammt aus einer Zeit vor der einen ultimativen Zeitlinie. Der gesamte Job der TVA ist, sicherzustellen, dass keine Abweichungen entstehen, die ein erneutes Multiversum verursachen könnten. Wie also kann es zu den Geschehnissen in Doctor Strange kommen?

Der Antagonist der Serie ist eine Varianz, die es geschafft hat, der TVA zu entkommen und über den Zeitstrahl verteilt Einsatzteams umbringt. Am Ende der ersten Folge wird dramatisch enthüllt, dass es sich hierbei um eine andere Version von Loki handelt. Das eröffnet eine ganze Reihe interessanter Möglichkeiten. Ist das hier einfach eine Version des Gottes, die vor der TVA flüchtet und sich zeitgleich für seine Verhaftung rächen will? Oder – und das würde sehr gut an das Existenzialismus-Thema anknüpfen – ist es eine Version, die genau weiß, wer die TVA sind, die vom Zeitfluss weiß und ihn bewusst zu manipulieren versucht? Vielleicht verfolgt der Protagonist weiterhin ein eigenes Motiv – nämlich das, den freien Willen wiederherzustellen und bei seiner Reise durch die Zeit – eigentlich auf der Suche nach seiner Varianz – manipuliert er eine andere Version seiner Selbst, sodass diese zum Antagonisten wird?

© Marvel Studios/Disney+

 

Sicher ist: Die weiteren Folgen Loki werden spannend und die Messlatte liegt hoch. Der Raum für Spekulation ist groß und was nun genau im Bereich des Möglichen liegt, können wir vermutlich noch gar nicht einschätzen. In das, was uns weiterhin erwartet, haben wir mit der zweiten Folge einen kleinen Einblick bekommen. Ich freue mich sehr und kann die nächsten Episoden kaum erwarten!

Was haltet ihr bisher von Loki? Von welchen Theorien habt ihr bisher gehört? Hinterlasst doch einen Kommentar und erzählt mir davon!

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Geschrieben von Julia Dohm
Redakteurin im Bereich: Movies
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