Stronghold – Aufstieg, Niedergang und Comeback einer großen Spielereihe

Stronghold ist sicherlich nahezu allen Fans von Strategiespielen ein Begriff, für manche sogar mehr als das. Der mittelalterliche Burgenbau der Firefly Studios schaut auf eine nun 20-jährige Historie zurück. Dabei gab es enorme Höhen und Tiefen, die die Serie durchlebte. In diesem Beitrag schauen wir auf dessen Historie, was die Serie auch heute noch so beliebt macht und weshalb Stronghold heute dennoch einen schwierigen Stand hat.

 

Die goldenen Zeiten des Genres

In den frühen 2000er Jahren florieren die Echtzeitstrategiespiele. Empire Earth, Medieval: Total War, Battle Realms, Command & Conquer: Generäle, Cossacks, Warcraft 3, Rise of Nations oder Schlacht um Mittelerde laufen auf den derzeitigen Rechnern hoch und runter. Der Release von Age of Empires 2 liegt auch noch nicht allzu lange zurück. Trotz dieser Hülle und Fülle großartiger Klassiker sticht ein Spiel heraus. Stronghold. Während die meisten der genannten Spiele auf epische Kämpfe setzen, existieren zu jener Zeit aber auch Aufbauspiele wie Anno 1503, Die Siedler 4, Sim City 3000 oder Tropico. Stronghold versuchte irgendwie den Spagat zwischen komplexer Aufbau-Simulation und spannenden Kämpfen zu vollführen. Was nach einer enormen Herausforderung klingt, schafften die Firefly Studios aber augenscheinlich mit Leichtigkeit. Ein neuer Star am Platz der Strategiespiele war geboren. Aber warum eigentlich war dieses Spiel so gut?

Stronghold

Gleich mit dem ersten Teil erschufen die Firefly Studios ein Meisterwerk.

 

Ein Klassiker wird geboren

Das Mittelalter-Setting ist eines, welches Menschen immer wieder fasziniert, ob in Filmen und Bücher, oder eben in Videospielen. Die Entwickler fingen die Atmosphäre gekonnt auf und ließen den Spieler seine eigene Burg errichten. Statt nun aber Einheiten für die Eroberung neuer Gebiete aus dem Nichts zu saugen, nimmt sich Stronghold erstmal etwas Zeit. Die Bevölkerung braucht Nahrung. Getreide muss angebaut werden und wir schicken Jäger auf die Jagd. Aus dem Getreide kann Brot hergestellt werden, aber für unsere Gebäude benötigen wir Ressourcen wie Holz oder Stein. Doch damit ist es nicht getan. Das Volk sehnt sich nach mehr Abwechslung auf der Speisekarte und so züchtet der Spieler Tiere.

Um aber überhaupt in den Kampf ziehen zu können, braucht man zunächst Waffen. Dazu wiederum muss etwa Gold und Eisen abgebaut werden. Letzteres muss aber erst in einen Brennofen geschoben werden, damit wir damit auch etwas anfangen können. Und schon wieder schreit das Volk nach mehr Mahlzeiten. Bier soll auf den Tisch. Also schnell eine Hopfenfarm errichten und eine Brauerei bauen. Wie, das reicht nicht? Auch eine Schenke muss her, damit das süffige Getränk an die Leute ausgegeben werden kann. Ihr seht, Stronghold bietet einen großen Fokus auf Bauen und Wirtschaft.

Stronghold

Stronghold funktioniert für Aufbau-Enthusiasten, als auch für Fans toller Burgeroberungen.

 

Stronghold erobert die LAN-Party’s

Dazu paart sich der Kampf, der dank den vielen Möglichkeiten im Burgenbau zu einem wahren Fest wird. Große Mauern, Türme und spannende Belagerungen. Für viele Fans gilt der Erstling bis heute immer noch als das beste Spiel der Reihe und erfreut sich großer Beliebtheit. Ebenfalls sehr gut in Erinnerung ist den Spielern Stronghold: Crusader. Das Standalon-Addon entfernte sich geografisch aus Mitteleuropa und katapultierte uns in den nahen Osten. Der dritte Kreuzzug wird thematisiert und wandelt auch den kompletten Look. Saftig grüne Wiesen sind passé, stattdessen zeichnet die Wüste die neue Kulisse. Neben dem Setting ändert sich aber auch die Spielweise.

Während der Vorgänger insgesamt gemächlicher war, legte Crusader den Fokus mehr auf Action. Die Kämpfe rückten zunehmend in den Vordergrund und das Spieltempo zog etwas an. Dennoch blieben die wirtschaftlichen Aspekte größtenteils erhalten. Beide Teile sind enorm atmosphärisch, ähneln sich auch, aber sind in sich unterschiedlich in der Art wie man sie angeht. Nichtsdestotrotz befindet sich die Serie zu jener Zeit aufgrund der großen Erfolge der beiden Klassiker auf einem wahren Siegeszug.

Stronghold

Crusader änderte das Setting und lieferte ein beschleunigtes Spieltempo.

 

Stronghold wird dreidimensional

2005 erschien dann der heiß erwartete Nachfolger Stronghold 2. Es ging wieder zurück nach Mitteleuropa und erstmals bekommt die Reihe eine moderne 3D-Optik spendiert. Die Entwickler hatten sich viel vorgenommen. Die Komplexität wurde erhöht und so gibt es zahlreiche neue Möglichkeiten und Optionen rund um den Burgenbau, die insbesondere Fans des Aufbauens und der Wirtschaftsplanung in Stronghold ansprachen. Denn Faktoren wie Kriminalität, sowie Jauche und Ratten spielen eine Rolle, sodass es ein kleiner Balanceakt wird, sein Land optimal zu verwalten. Dafür nahmen sich die Kämpfe wieder etwas zurück, der Fokus lag also eher auf dem detaillierten Burgleben. Für Fans eine tolle Sache, für Neueinsteiger war der neue Ableger aber sicherlich etwas zu komplex.

Stronghold

Stronghold 2 setzte in Sachen Komplexität neue Maßstäbe innerhalb der Reihe.

 

Es wird mythisch

Crusader war das offensivere Gegenstück zu Teil eins und Stronghold: Legends war jenes Gegenstück zu Teil zwei. Der Fantasy-Ableger entführte den Spieler in die Arthur-Saga und führte Wesen wie Drachen, Werwölfe oder Eisriesen ein. Der Wirtschaftsteil nahm sich stark zurück und so lag der Fokus auf den Kämpfen, was das Spiel aber sehr gut umsetzte. Dadurch, dass die Firefly Studios aber so mit dem Setting brachen, ist das Spiel unter der Fangemeinde aber ein etwas kontroverseres Thema. Während sich manche sehr mit den Fantasiewesen und dem kampflastigen Gameplay sehr anfreundeten, kritisierten andere wiederum die starke Abkehr zum Kern der Spielereihe und seinen historischen Wurzeln. Mittlerweile hat das Spiel in der Community aber doch Versöhnung gefunden und erfreut sich vieler Fans. Gleiches konnte man aber nicht von den Erscheinungen der Folgejahre behaupten.

Stronghold

Der Ausflug ins Fantasy-Setting stimmte seinerzeit nicht jeden Fan glücklich.

 

Der Kornspeicher ist leer, Sire

Stronghold: Crusader war immer noch in den Köpfen der Fans ein Meilenstein der Reihe und so entschieden sich die Entwickler dem noch eins oben drauf zu setzen. 2008 erschien das Game in der „Extreme“-Version. Das ohnehin offensivere Spielgeschehen wurde auf die Spitze getrieben und so hausten tausende Krieger über den Bildschirm. Was für einige sicher noch eine lustige Partie bot, fand aber in der Mehrheit keinen großen Anklang. Zu unübersichtlich, zu chaotisch. Der neue Teil verlor nahezu alle Errungenschaften der Vorgänger und machte das, was es machen wollte, auch nicht besonders gut. Daher waren insbesondere die Fans des Wirtschaftsteils der Serie enttäuscht und warteten gespannt auf den nächsten „echten“ Ableger. Der aber schrieb das wohl schwärzeste Kapitel der gesamten Historie.

Stronghold

Crusader: Extreme war wie Crusader, nur in ausufernd und übertrieben. Das Ergebnis ließ die Fans kalt.

 

Stronghold am Boden der Tatsachen

Dabei klang doch alles so gut. Rückbesinnung auf Teil 1 und eine moderne Grafik sollten Stronghold 3 zum Erfolg verhelfen. Groß war 2011 dann aber die Enttäuschung als das Spiel gespickt mit zahlreichen Bugs auf den Markt kam. Die Community empfand das Game als nahezu unspielbar. Festhängende Einheiten, Abstürze und zahlreiche Balancing-Probleme. Dazu steuerte sich der Burgenbau unglaublich hakelig und ungenau, sodass Stronghold 3 auf seinen Ambitionen sitzen blieb. Zwar wurde viel gepatcht, zu einem guten Ableger konnten die Entwickler diesen Teil aber trotzdem nicht mehr machen. Nach einem eher unbeliebten Crusader: Extreme war dies der denkbar größte Schaden für das Image, von dem man sich bis heute nicht mehr ganz wieder erholen sollte. Daran änderte auch Stronghold: Kingdoms nichts.

Stronghold

Der dritte Ableger vergraulte endgültig die Community. Bugs und Balancing-Probleme minderten den Spielspaß deutlich.

 

Auch das Genre kriselt

Nur ein Jahr nach dem unbeliebten Teil 3 erschien eine Online-Variante von Stronghold. Dies war als MMO konzipiert und auch kostenlos. Nicht nur die Ingame-Käufe spalteten aber die Meinung der Community. Das Spiel war eher für Langzeitspieler angedacht und hatte weniger mit dem Kern der Reihe zu tun. Viele Gamer versanken darin aber viele glückliche Stunden, die Fans alter Ableger sympathisierten aber weniger mit dem Browsergame. Und darüber, ob das Spiel auf Pay 2 Win setzt, wird sogar heute noch in Foren debattiert. Die Wahrheit liegt wahrscheinlich irgendwo in der Mitte. Die Wahrheit ist aber auch, dass es mit Stronghold 2 das letzte Mal war, dass ein Stronghold-Game den Fokus auf seine alten Tugenden setzte und damit die Fans begeistern konnte.

Nicht nur dass Strategiespiele generell ab da eine schwere Zeit hatten, auch Stronghold spielte in der öffentlichen Wahrnehmung kaum mehr eine Rolle. Außerdem verschwanden Serien wie Age of Empires, Empire Earth und Command & Conquer von der Bildfläche. Auch auf ein Strategiespiel im Universum von Star Wars oder Herr der Ringe wartete man als RTS-Fan vergeblich. Umso mehr überraschte und erfreute die Fans die Ankündigung von Stronghold: Crusader 2.

Stronghold

Die Firefly Studios wagten sich 2012 auch in MMO und F2P-Gefilde.

 

Wiedergutmachung?

Crusader galt nach wie vor als eines der Prunkstücke von Firefly. Das nun verbessert und mit schicker Grafik? Die Fans hatten Lust! Dennoch waberte im Hintergrund die Angst: Können es die Firefly Studios überhaupt noch? Schließlich waren die letzten Spiele unter Fans unbeliebt, schlecht oder beides. Crusader 2 setzt im Kern auf seinen direkten Vorgänger und übernahm größtenteils dessen Eigenschaften. Betrachtet man nur das Aufbausystem und die Wirtschaft, ist Crusader 2 im Prinzip eine Kopie in das 3D-Zeitalter. Und das kann man positiv anrechnen!

Auch da optisch viele Details ausgearbeitet wurden und Einheiten, als auch Gebäude mehrere Designs erhielten. Problematisch waren dagegen die Kämpfe. Die steuerten sich etwas sperrig und weniger flüssig als damals. Zudem trübte die mäßige KI immer wieder das Spielerlebnis. Unterm Strich kam der Teil aber wieder deutlich besser an und schaffte es die Fans etwas optimistischer zu stimmen. Nur trägt es auch leider die Bürde einer erfolgreichen Vergangenheit und so müssen sich kommende Ableger immer am Standard der alten Klassiker messen.

Stronghold

Crusader 2 war ein Schritt in die richtige Richtung. Lediglich KI und Kampfmechanik waren noch etwas zickig.

 

Stronghold steht mit Warlords vor einem großen Comeback

Und nun? Nun warten wir auf Stronghold: Warlords. In den fernen Osten geht es dieses Mal. Weniger Freunde machte sich das Spiel jetzt schon mit dem neuen Grafikstil, der etwas weicher wirkt und mehr an einen Comic-Look erinnert. Dafür setzt man spielerisch auf das, was sich die Fans nun seit über einem Jahrzehnt wünschen. Umfangreiche Wirtschaftssimulation und spaßigen Burgenbau. All das versicherten die Entwickler bereits und stellten diese Mechaniken auch schon in Gameplay-Videos vor. Die Sorge bei den 3D-Teilen sind meist die Kämpfe. Hier will man mit den Warlords frischen Wind in die Szenerie bringen. Zudem soll Warlords dank vieler zeitgenössischer und für die Region einzigartiger Kampftypen frischen Wind in die Schlachten bringen.

Auch wenn Setting und Grafikstil mutig erscheinen, umso optimistischer darf uns die spielerische Ausrichtung stimmen. Klar, mit der Vorfreude sollte man kritisch umgehen, aber Warlords bietet uns in der Aufbaustrategie nun endlich wieder die Mechanismen, die man so lange hat missen lassen. Ihr wart früher Stronghold-Fan oder seid es immer noch? Dann merkt euch den 9. März vor. Es könnte das Comeback von Stronghold werden, welches die Community endlich wieder begeistern kann.

The Stronghold Collection
  • Der Klassiker gleich fünffach

 

Geschrieben von
Redakteur im Bereich: Games

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