Was braucht es, um ein erfolgreicher eSport-Streamer zu sein?

Twitch und YouTube zeigen, dass ein Großteil der Gaming-Zukunft im Streaming liegt. Die beliebtesten Kanäle ziehen regelmäßig Millionen Menschen an, die den Aktiven beim Gaming zuschauen. Dabei können auch Fähigkeiten aus anderen Fachgebieten einbezogen werden, um erfolgreich zu streamen und möglichst viele Menschen damit zu erreichen. Insbesondere der Vergleich mit dem überaus erfolgreichen Poker bietet sich an. Wir blicken auf die größten Gemeinsamkeiten, wie Streamer vom einen Spiel zum anderen wechselten und wie das Sponsoring für den eSport gesichert wird.

 

Ähnlichkeiten zwischen eSport- und Poker-Streaming

Habt ihr im letzten Monat einen Gaming-Stream auf Twitch angeschaut? Mit dieser Tätigkeit wart ihr definitiv nicht allein, wie die Zahlen von Twitchtracker zeigen. Durchschnittlich 1,43 Millionen Nutzer gelten im März 2020 als wiederkehrende Besucher – Das sind mehr User als die Streaming-Platform jemals hatte. Twitch ist die beliebteste reine Streaming-Plattform, die vor allem Gamer für sich entdeckt haben. Dazu kommt YouTube als zweite, grundsätzlich noch deutlich größere Plattform, die ebenfalls Livestreaming ermöglicht. Viele kleinere Websites haben ein vergleichbares Angebot, jedoch nicht die Nutzerschaft, um auf dem Markt relevant zu sein. Das Streaming wird, an den Zahlen abzulesen, ein immer größerer Posten in der Unterhaltungsbranche, der mit der Liveübertragung von Spielen einen ungeahnten Erfolgszug startete und den heute so gewachsenen eSport erst ermöglichte.

Viele Eigenschaften, die es zum erfolgreichen Streaming benötigt, finden wir jedoch auch in anderen Gebieten wieder, die nicht unbedingt zum Online-Gaming zählen müssen. Das beste Beispiel hierfür ist Poker. Der Kartenspielklassiker ist vor allem durch das Internet gewachsen, wie es in der realen Version nicht vorstellbar gewesen wäre. Verantwortlich dafür war der Poker-Boom, der zu Beginn des Jahrtausends einsetzte und erst viele Menschen zum Poker brachte. Mittlerweile gehört das Spiel auf Twitch zum Eingemachten und erfreut sich auch dort großer Beliebtheit, was vor allem an Nutzern wie runitup247, LexVeldhuis oder ALLinPav liegt. Jeder von ihnen ist sich der Schlüsselfähigkeiten bewusst, die er benötigt, um im Poker, sei es in der Variante Texas Hold’em oder No-Limit, seine Gegner am Tisch zu schlagen.

Es beginnt mit einem hohen Maß an Selbstkontrolle, das nicht jeder eSportler von Vornherein mitbringt. Sowohl Poker als auch andere Spiele verlangen, dass die bekannte Strategie klar verfolgt wird, völlig gleich, wie attraktiv andere Wege auch sein mögen. Im Poker würde dies etwa bedeuten, nicht immer auf den Flop zu warten, weil ja eine passende Kombination kommen könnte, sondern direkt mit Fold zu agieren. Im eSport gilt etwa bei Sportspielen, dass es mit Sicherheit unterhaltsamer wäre, drauflos zu stürmen, aber die Verteidigung dennoch nicht vernachlässigt werden sollte. Ebenfalls gemein haben die beiden Spielearten den Bedarf an höchster Konzentration unter außergewöhnlichem Druck. Habt ihr schon einmal vor 5.000 oder 10.000 Zuschauern gespielt? Es ist deutlich schwieriger, als zunächst angenommen. Dazu kommt die Fähigkeit, die Psyche des Gegners zu durchschauen und schier endlose Stunden vor dem PC zu verbringen, um erfolgreich zu spielen.

Ein Mann ist vor dem Laptop in Gedanken vertieft. Quelle: Pixabay.com

 

Der Weg vom Poker-Profi zum eSportler

Immer öfter überschneiden sich die Wege von eSport und Poker auf den Plattformen wie Twitch. Ein Beispiel für einen erfolgreichen Pokerprofi, der es im Anschluss im eSport versuchte, ist Johannes Steindl. Unter dem Kürzel JonnyStoneHS ist er bei FlowEsports im Kartenspiel Hearthstone aktiv. Hearthstone wurde von Blizzard Entertainment entwickelt und hat über 40 Millionen Spieler. Dass Steindl sich beim Schritt vom einen zum anderen Kartenspiel nicht besonders schwertut, ist kein Wunder, da es in vielerlei Hinsicht ebenfalls auf strategische Elemente ankommt. Nach zehn Jahren als Pokerprofi, in denen er rund 63.000 US-Dollar verdiente, wechselte der Österreicher hauptsächlich deswegen in den eSport, um etwas Abwechslung zu erhalten. Dank des Hintergrundwissens zum Papier-Kartenspiel Magic the Gathering fiel Johannes Steindl der Einstieg in Hearthstone deutlich leichter als anderen. Dank Twitch konnte er seine Fähigkeiten bis heute immer weiter verbessern.

Den umgekehrten Weg schlug der Franzose Bertrand Grospellier ein, der unter dem Namen ElkY online bekannt ist. Anfang des Jahrtausends spielte ElkY nicht etwa in Folge des damaligen Booms Poker, sondern war in Südkorea im Spiel StarCraft aktiv. Erst danach entschied er sich für den Schritt zum Poker, wo er seitdem außergewöhnliche Erfolge feierte. Längst wurde Grospellier zum erfolgreichsten französischen Pokerprofi aller Zeiten und gewann bislang rund 14,66 Millionen US-Dollar an Preisgeldern. Nachdem das Pokern jedoch meist auch Wartezeit auf die Spielzüge der Gegner mit sich bringt, kommt es beim Poker-Streaming auf Twitch gerne einmal zu Gesprächen über Gott und die Welt, um die Nutzer zu unterhalten. So lernt die Community den Spieler noch besser kennen. Die Abwechslung der Gesprächsthemen sorgen außerdem dafür, dass die Partien niemals langweilig werden.

Poker-Sponsoring ist mit jedem aus dem eSport vergleichbar. Quelle: Pixabay.com

 

Der Faktor Sponsoring im eSport

Ein wichtiger Faktor, um das Überleben eines jeden eSport- oder Poker-Streaming-Kanals sicherzustellen, ist das externe Sponsoring. Am meisten bieten sich dafür natürlich die Unternehmen an, die ohnehin im jeweiligen Sport involviert sind. Im Fall des eSports sind das in erster Linie die Hardware-Ausrüster. Tastatur, Maus, Headset usw. müssen genau auf den Spieler abgestimmt werden – und das vor allem im professionellen Gaming. Auch Wettanbieter finden sich immer wieder in der einen oder anderen Form in den Streams wieder. Sie bieten heute vermehrt eSport-Wetten an, die mehr Märkte als je zuvor beinhalten. Im Poker sind es ebenfalls all jene Anbieter, die online verfügbar sind und einen ausreichend großen Kundenstamm besitzen, um überhaupt Sponsoring-Tätigkeiten durchzuführen. Weitere Anbieter sind mit der Bereitstellung des Hochgeschwindigkeitsinternets betreut.

Das Sponsoring ist vor allem deshalb so wichtig, weil es den größten Erlösfaktor darstellt. Im eSport wurden 2019 zum Beispiel 456,7 Millionen US-Dollar über Sponsoring erzielt. Das entspricht rund 42 Prozent der Gesamterlöse. Allerdings gibt es nach wie vor Einschränkungen, die abhängig vom ausgewählten Spiel sind. Während Poker oder League of Legends nicht unter diese Kategorie fallen, sind First-Person-Shooter wie Call of Duty oder CS:GO keine Option für viele namhafte Unternehmen. Meist liegt das an der grundlegenden Thematik der Games. Als erfolgreicher Streamer gibt es letztlich verschiedene Eigenschaften und Voraussetzungen, die erfüllt sein sollten. Sie können sich von Spiel zu Spiel verändern, sind aber überraschend oftmals sehr ähnlich, etwa im Vergleich eSport und Poker.

 

Thomas Solzic
Geschrieben von
Immer auf der Suche nach neuen Herausforderungen.

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