Sonic Forces

Sonic Forces – Test zur Rebellion des blauen Igels

Ach Sonic, was machen wir nur mit dir? Diese Frage stellt sich nicht nur die Sonic Fangemeinde, sondern wahrscheinlich auch Entwickler Sonic Team. Spiele wie Sonic Generations und Sonic Mania werden hochgelobt, Titel wie Sonic ’06 oder Sonic Unleashed sind dagegen eher als Negativbeispiele anzusehen. Wo reiht sich also der neueste Titel Sonic Forces ein? Wir haben es für euch herausgefunden.

 

Ein Bösewicht hat sein Ziel erreicht

Wer hätte das gedacht? Dr. Eggman hat es tatsächlich geschafft, die Weltherrschaft an sich zu reißen. Das Thema Nr. 1, worüber so viele Bösewichte reden, ist ihm gelungen. Ohne einen fiesen Trick ging das natürlich nicht. Eggman verwendet den sogenannten Phantomkristall, um ein übermächtiges Wesen namens Infinite zu erschaffen, welches Sonic sang- und klanglos besiegt. Und so tun sich Sonics Freunde zu einem Widerstand zusammen, um die Welt von Eggman zurückzuerobern. Dabei tritt auch ein neuer Rekrut auf den Plan, euer ganz persönlicher Avatar. Und ein Sonic aus einer anderen Dimension taucht auch noch auf. Die Geschichte von Sonic Forces soll düster sein und von einem Krieg erzählen, diesen bekommen wir jedoch nie zu sehen. Die Autoren der Geschichte haben hier die saftigsten Klischees zusammengeklebt, die man sich nur vorstellen kann und auch Sprünge von Ort zu Ort sind an der Tagesordnung. Viele Dinge machen keinen Sinn, es wird viel zu viel über Freundschaft und Kameradschaft gelabert und Fieslinge verhalten sich dumm. Sagt euch der Satz „Du bist es nicht wert, getötet zu werden“ etwas? Ein Fehler, den leider viel zu viele Bösewichte machen und dem Helden so eine unnötige Chance geben. Logikfehler, nervige Sprüche und die Tatsache, dass wir eigentlich nur durch die Level laufen, aber nichts für das Ziel der Mission tun, komplettieren das schlechte Story-Paket. Lediglich das Finale zeigt Ansätze von einem mitreißenden Konflikt.

Sonic stürzt sich in die Schlacht.

 

Euer ganz persönlicher OC

Eines der Features, auf welches sich bei Sonic Forces konzentriert wurde, ist euer origineller Charakter, kurz OC. Die Sonic-OC-Fangemeinde ist groß und anthropomorphe Tierwesen bieten viele kreative Gelegenheiten, euren eigenen Charakter zu erschaffen. Leider gibt euch Sonic Forces nicht genug Möglichkeiten, einen wirklich einzigartigen Charakter zu erschaffen. Ihr wählt eine von wenigen Tierarten aus, jede mit ihrer eigenen Spezialfähigkeit. Dann habt ihr noch die Wahl zwischen ein paar Augen und Ohren, könnt die Farbe eurer Augen und eures Tieres wählen und zack, euer eigener Sonic-Charakter. Anfangs denkt man vielleicht „Oh, der sieht echt cool und einzigartig aus“, doch dann sieht man die Kreationen von anderen Spielern und da fällt einem dann auf, wie ähnlich sich doch viele Figuren sehen. Die Tatsache, dass man nicht einmal körperliche Proportionen etc. auswählen kann, ist einfach nur traurig. Spiele wie Skyrim sind zwar ein Überbeispiel, doch hier hätte man sich ein wenig am Charakter Creator inspirieren lassen können. Das Feature fällt leider ein wenig flach, auch weil euer OC im Spiel selbst recht seelenlos wirkt. Er sagt kein Wort, reagiert nur minimal auf Ereignisse und hätte gut und gerne auch durch jeden x-beliebigen Charakter ersetzt werden können. Eine verschwendete Gelegenheit.

Ist unser Hund nicht cool? Vielleicht, aber sicher nicht einzigartig.

 

Autopilot aktiviert

Kennt ihr das, wenn ihr als Kind vor der Konsole sitzt, euer großer Bruder/große Schwester/Vater/Mutter etc. euch den Controller in die Hand drückt und ihr spielt und spielt und spielt, bis ihr herausfindet, dass ihr gar nichts macht? Ihr habt einen nicht eingestöpselten Controller und habt in Wirklichkeit nur GEDACHT, dass ihr spielt, aber ihr wart es nicht selbst. So fühlt sich Sonic Forces sehr oft an. Sicher müsst ihr auch mal Tasten und den Controlstick drücken, doch ihr wärt überrascht, wie oft ihr den Controller gänzlich loslassen könnt und das Spielgeschehen dennoch weitergeht. Das Gameplay von Sonic Forces unterteilt sich in drei Varianten, für jeden spielbaren Charakter einen. Da wäre zum Einen der klassische Sonic, der aus einer anderen Dimension ins Spielgeschehen tritt. Er spielt sich so, wie man es vom klassischen Sonic erwartet und hat einige nette und unterhaltsame Stages wie zum Beispiel eine Flipperstage. Er kann sich einrollen und so Geschwindigkeit aufbauen, Items zur Verstärkung einsammeln und es kommt das klassische 2D-Sonic-Spielgefühl auf. Nur manche Sprünge sind in der Luft schwer zu kontrollieren. Der moderne Sonic hingegen ist fast gänzlich auf Geschwindigkeit ausgelegt. Er hat einen Boost, mit dem er nur so durch die Gegner preschen kann. Das ist aber auch nicht so schwer, die Gegner in Sonic Forces sind eigentlich nur Kulisse, denn sie bewegen sich fast nie vom Fleck und ihre Angriffe sind sehr leicht vorauszuahnen. Zusätzlich hat der moderne Sonic einen zielsuchenden Angriff, mit dem man von Objekt zu Objekt springt. Zu guter Letzt wäre da noch euer OC, er spielt sich fast identisch zum modernen Sonic. Er hat einen Greifhaken für zielsuchende Angriffe, kann um Kurven sliden (natürlich automatisch wie eben erwähnt) und besitzt eine von vielen Waffen, sogenannte Wispons. Die gibt es wirklich nur, um einige Fähigkeiten, die früher Sonic hatte, nun eurem Charakter zu geben. Da gibt es elektrische Peitschen, Blöcke erzeugende Handschuhe und den fast schon übermächtigen und von Anfang an verfügbaren Flammenwerfer. Der einzige Grund, im gesamten Spiel einen anderen Wispon anzulegen, ist, wenn ihr alle Roten Münzen finden wollt, die neue Geheimlevel freischalten.

Diese Schiene ist symbolisch für das Gameplay in Sonic Forces.

 

Das Leveldesign schlaucht

Die Level sind jedoch, wie fast alle Level in Sonic Forces, ideenlos und einfache von A nach B Schläuche. Sie sind wild zusammengewürfelt, es gibt so viele verschiedene Gameplayelemente in einem Level. Das klingt jetzt nach etwas Positivem, ist aber in Wirklichkeit einfach nur überladen. Die Level wirken so, als wären sie von einer nicht so kreativen Person in einem Leveleditor erstellt. Manche Level bilden da eine Ausnahme, wie das eben erwähnte Flipper-Level oder eine Welt, in der sich ab und zu alles auf den Kopf stellt. Den größten Teil jedoch nehmen schlauchige und einfallslose Pakete ein, deren Hintergrund immerhin optisch ansprechend ist. Auch wenn ihr sehr oft aus dem Spiel gerissen werdet, weil wieder eine automatische Sequenz anliegt, kommt ein sehr actionreiches und intensives Geschwindigkeitsgefühl auf. Es ist immerhin ein Sonic-Spiel, da ist Geschwindigkeit vorgeschrieben. Oft geht das Ganze leider etwas zu schnell, so dass man als normal menschlicher Spieler kaum reagieren kann. Bosse hingegen sind so unglaublich einfach, dass es weh tut. Ihr lernt ihre Angriffe, weicht ihnen aus, springt in die Luft und benutzt einen zielsuchenden Angriff, jedes einzelne Mal. Sicher, sie sind cool in Szene gesetzt, stellen aber keinerlei Herausforderung dar. Dies kann man im Grunde über das ganze Spiel behaupten, denn durch die Level kommt ihr recht schnell und wie bereits erwähnt nahezu automatisch. Wenn man einen Level geschafft hat, ist oft die erste Frage: „Wie ist das jetzt zustande gekommen?“. Ihr drückt ein paar Knöpfe, führt ein paar Quick Time Events durch und innerhalb von wenigen Minuten habt ihr einen Level durchgespielt. So addiert sich am Ende auch eine nicht allzu lange Spielzeit, bereits in 3-4 Stunden habt ihr Sonic Forces durch. Ihr könnt noch optionale Missionen durchführen, die euch neue Kleidung für euren OC bescheren. Geheimlevel und Extralevel durch das Sammeln der roten Münzen geben euch ebenfalls Outfits und neue Wispons. Wert ist es das jedoch nicht wirklich, Sammler müssen dies aber für sich selbst entscheiden.

Von links nach rechts, vorne nach hinten und grüne Zielscheiben für automatische Angriffe, alles nahezu automatisiert.

 

Rock’n’Rave

Optisch macht Sonic Forces einiges her. Irgendwo muss das mangelhafte Gameplay schließlich ausgeglichen werden und die Hintergründe der Level sind einfach nur imposant. Der in der Story erwähnte Krieg ist zwar nie selbst zu sehen, die Auswirkungen sind jedoch deutlich sichtbar. Von der bekannten Green Hill Zone bis hin zur modernen Stadt Metropolis sind viele interessante Schauplätze am Start. Begleitet wird Sonic Forces von einem sehr adrenalinfördernden Soundtrack. Sicher, es sind sehr klischeebeladene Texte, aber es rockt einfach nur und macht bei dem schnellen Gameplay echt Laune fürs Ohr. Von elektronischer Mucke bis hin zu gitarrenlastigen Pop-Rocksongs ist alles dabei. Soundtechnisch nicht sonderlich gelungen ist die Synchronisation. Vor allem Sonics Stimme fällt negativ auf, er klingt eher wie ein South Park-Charakter. Mit dem Dialog, der den Sprechern vorgelegt wurde, ist aber auch schwer zu arbeiten. Sonic Team braucht definitiv neue Storyboard- und Dialogschreiber.

 

Positiv:

Hintergründe von Leveln optisch sehr ansprechend
Soundtrack rockig und adrenalinfördernd
Intensives Geschwindigkeitsgefühl
Ein, zwei nette Levelideen

Negativ:

Spielfluss läuft viel zu oft automatisch ab
Story verwirrend und klischeebelastet
Synchro nicht immer on point
Leveldesign kaum vorhanden
Viel zu wenig Auswahl beim Erstellen eines Avatars
Sehr kurze Spielzeit
  • Sonic Forces

    “Sonic Forces ist kein wirklich gutes Spiel und besonders kein gutes Sonic-Spiel. Es leitet euch viel zu sehr durch die Level, hat eine verworrene und schlecht erzählte Story, einfallsloses Leveldesign und einen nicht ausgereiften Character Creator. Sonicfans sollten sich hier wirklich überlegen, ob sich dieser Teil lohnt. An Teile wie Generations kommt Sonic Forces bei weitem nicht ran und das grandiose Sonic Mania liegt nur ein knappes halbes Jahr zurück. Vielleicht findet der blaue Igel in seinem nächsten Titel ja wieder zu alter Form zurück.”

    Maarten Cherek, Redakteur

Ab in die Sammlung?

Sonicfans werden sich auch bei Sonic Forces spalten, so wie bei anderen Titeln. Manche werden das automatische Gameplay verfluchen, manche werden sich in die Geschwindigkeit und Action verlieben. Hier muss jeder auf seine Sonic-Vorlieben schauen und dementsprechend entscheiden.

Maarten Cherek
isst nichts so heiß, wie es gekocht wird!
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