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Little Nightmares – Test zum Albtraumszenario für Kinder

Gruselige Clowns, dunkele Keller, monströse Spinnen… Jeder Mensch hat Ängste, die er schon von Kindsbeinen an hat. Genau mit dieser Thematik beschäftigt sich das von Bandai Namco gepublishte Indie-Spiel Little Nightmares. Als kleines Kind im Friesennerz müsst ihr euch durch unterschiedliche Level bewegen, um den Ausgang aus der gruseligen Welt zu finden. Allerdings handelt es sich dabei nicht um ein klassisches Horror-Game, sondern um ein Puzzle Jump ’n’ Run Adventure. Wie uns das Abenteuer gefallen hat, erfahrt ihr in unserem Test.

 

Düstere Atmosphäre, aber kein Horrorspiel

In Little Nightmares wird man ohne große Erklärung ins Spiel geworfen. Ihr wacht auf und müsst intuitiv die Welt erkunden, die wirklich sehr sehr dunkel gestaltet ist. Ich musste auf der höchsten Helligkeitsstufe spielen, um nicht ständig in den Abgrund zu fallen. Mit einem Feuerzeug bewaffnet bringt ihr aber ein wenig Licht ins Dunkel. Die beklemmende Atmosphäre des Spieles ist dank der stimmigen Lichtatmosphäre und der eindringlichen Geräuschkulisse und Musik nicht allzu gruselig gestaltet, sondern lädt vielmehr zum Entdecken der Welt ein. Allerdings bietet die Welt die immer gleiche Kulisse: In dem Sidescroller seht ihr viele kleine Räume, die an eine Bohrinsel erinnern. Erschreckender als die Atmosphäre sind vielmehr die kleinen Details, die im Spiel stecken. Im Hintergrund sehen wir beispielsweise einen Menschen, der sich erhängt hat. Während des Spieles kriegen wir ab und zu einen unsäglichen Hunger, der an einer Stelle des Spieles durch das Essen einer lebenden Ratte gestillt wird. Somit handelt es sich bei Little Nightmares um ein klassisches Horrorspiel, was auch durch die fehlenden Jump Scares deutlich wird. Im Spiel erleben wir vielmehr Momente, die einem Herzklopfen und Nervosität bereiten, zu denen beispielsweise Verfolgungsjagden zählen.

Ob der da oben noch Papier zum Wischen braucht?

 

Trial and Error

Bei Little Nightmares handelt es sich um einen Sidescroller, in dem ihr einige Rätsel lösen müsst, um zum nächsten Raum zu gelangen. Allerdings sind die Rätsel so aufgebaut, dass man nicht immer direkt auf die Lösung des Rätsels kommt, sondern verschiedene Szenarien ausprobieren muss. Die Steuerung ist dabei simpel, wird aber nicht erklärt. Ihr könnt Kanten hochklettern, springen, ein Feuerzeug anzünden, krabbeln und vieles mehr. Doch diese Steuerung ist ein Grund dafür, dass einem der eine oder andere Tod ereilt, der von einem langen Ladebildschirm gefolgt wird. Denn während der Kletterpassagen kann es euch passieren, dass ihr die Abstände in der Z-Ebene des Spieles nicht einschätzen könnt. Horizontal und vertikal ist dies kein Problem, doch wollt ihr gegen ein Seil oder Ähnliches springen, fallt ihr aufgrund der Fehleinschätzung das eine oder andere Mal am Kletterpunkt vorbei. Die Trial and Error Passagen können auch von Gegnern ausgelöst werden, denen ihr ausweichen müsst. Eine Passage musste ich beispielsweise 6 Mal neu starten, weil ich mir den Weg durch die Gegner nicht sofort bahnen konnte. Eine andere Stelle musste ich öfters neu bewältigen, obwohl ich jedes Mal an die gleiche Stelle gegriffen habe. Behilflich sind dabei die vielen Kontrollpunkte, von denen ihr nach einem Tod aus neu starten könnt. An einigen kniffligen Stellen sind diese eher rar gesät, an anderen habt ihr wieder genug Spielraum zum Sterben. Insgesamt sind die Rätsel allerdings sehr monoton gestaltet, denn in der überdimensional großen Welt müssen öfters Gegenstände verschoben werden oder an Objekten geklettert werden. Viel mehr Abwechslung bieten die Herausforderungen nicht.

Naja, ob hier der ideale Platz zum Verstecken ist? Die Antwort: Ja! Ich wurde nicht entdeckt…

 

Kindheitsalbträume werden wahr

Little Nightmares spielt mit vielen Motiven, vor denen kleine Kinder Angst haben: Höhe, Dunkelheit, schwarze Wesen und große Menschen sind nur einige dieser. Während eures Abenteuers begegnet ihr den einen oder anderen Wesen, die mal friedlich, mal feindlich gesinnt sind. Kleine Wesen, die mich ein wenig an Pyramid Head aus Silent Hill erinnern, wollen während des ganzen Spieles befreit werden. Doch der Rest der Welt möchte euch schnappen: In jedem Spielabschnitt befindet sich ein großer Gegner, der euch den ganzen Abschnitt lang verfolgt. Zu Beginn begegnet ihr beispielsweise einem blinden Puppenmacher, der euch nicht durch Augenkontakt, sondern durch Geräusche orten kann. Fängt er euch mit seinen überdimensional langen Armen, startet ihr vom letzten Checkpoint aus. Die Gestaltung der KI ist durchweg gelungen und lässt einem einen kalten Schauer über den Rücken laufen. Doch oft bekommt man keinen Hinweis darauf, wann einen die KI entdeckt und wann nicht. Befinden wir uns gerade im Blick des stabil gebauten Kochs? Wieso hört der blinde Puppenmacher, wenn ich leise über die Holzbretter schreite, reagiert aber nicht auf umgestoßene Kisten? Oft erleben wir beim Durchspielen die gleiche Situation mit anderem Ausgang, weil die KI uns plötzlich nicht entdeckt. Dies kann ungewollt für Frustmomente, aber auch für Glücksgefühle sorgen, wenn wir uns dem Radius der Arme entziehen.

 

Positiv:

Stimmige Lichteffekte und Soundkulisse
Eindrucksvoll gestaltete Charaktere
Liebevoll gestaltete Wohnräume…
Keine Jumpscares, stattdessen spannende Momente, die Herzklopfen auslösen

Negativ:

Auf Dauer eintönig gestaltete Rätsel
KI lässt sich nicht eindeutig abschätzen
… mit lieblos wirkenden Zwischenpassagen
Lange Ladezeiten nach dem Tod
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    „Von Little Nightmares darf man nicht erwarten, dass es das klassische Horrorgenre bedient. Vielmehr wartet das Spiel mit vielen kleinen Rätseln auf, die uns durch die Welt führen. Allerdings ist die Spielzeit etwas mau, die Rätsel nicht sehr abwechslungsreich und die Welt teilweise karg gestaltet. Lediglich die Wohnräume und die skurrilen Charaktere erhellen das Gemüt und lassen einen in das Spiel eintauchen. Doch aufgrund der teils störrischen Spielemechanik und der ernüchternden Momente ist das Spiel nichts für ungeduldige Gamer, die ein Spiel ohne Frustmomente durchspielen wollen. Auch an der Story hapert es, da das Spiel lieber Raum für Interpretationen lassen soll. Doch die vielen Momente, in denen man mit schwitzigen Händen dem Ausgang entgegenrennt, machen den Titel spielenswert.“

    Jasmin Paskuda, Redakteurin

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Jasmin Paskuda
schwärmt heimlich für ein Leben als Strohhutpiratin!
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