God of War – Test zu Kratos Streifzug durch die nordische Mythologie

Das Ende von God of War 3 ließ Fans mit einem fiesen Cliffhanger zurück. Keiner wusste, was mit dem Spartaner nach dem Sieg über Zeus wurde und jetzt sehen wir unseren diesmal bärtigen Krieger wieder. Im Norden setzen wir Kratos Abenteuer fort, inklusive eines Sohnes im Schlepptau und einer Horde nordischer Götter an den Hacken. Neben einer neuen Story hat Sony Santa Monica aber auch das Gameplay vollständig überarbeitet. Was der Titel zu bieten hat, erfahrt ihr jetzt im Test.

 

Die Bürden eines Vaters

Das neue Abenteuer startet mit einem traurigen Ereignis, als Kratos und Atreus unterwegs sind Feuerholz für die Feuerbestattung ihrer Frau/Mutter zu besorgen. Die Beziehung zwischen Vater und Sohn ist aber trotz der traurigen Umstände spürbar angespannt. Und es dauert auch nicht lange, bis die Konfrontation mit einem Fremden Kratos dazu bewegt, sich mit seinem Sohn auf eine Reise zu begeben. Für Atreus ist dies hauptsächlich die Reise zum höchsten Punkt Midgards, um die Asche seiner geliebten Mutter zu verstreuen. Für Kratos steht jedoch außer Frage, dass ihn die Götter dieses Reiches aufgespürt haben und nun verfolgen. Ihre Reise führt das ungleiche Duo durch die vielen Reiche der nordischen Mythologie wie Midgard, Jothunheim und so weiter. Dabei steht aber immer eines sehr deutlich im Fokus der Story und das ist die Tatsache, dass Kratos seinem Sohn verheimlicht, das er ein Gott ist. Das Vater Sohn Gespann trifft dabei auf eine bunte Mischung aus Feinden und Verbündeten, angefangen von Zwergen, Drachen, Göttern, mystischen Monstern und nicht zu vergessen einer riesigen Schlange. Diese Liste könnte man problemlos eine Weile fortführen. Interessant ist daran aber, was euch sowohl die “bösen” als auch die “guten” Nebencharaktere mit ihren eigenen Geschichten vermitteln. Denn auch bei diesen steht ein Konflikt im Mittelpunkt, verursacht durch eine folgenschwere Entscheidung. Dadurch dienen diese Nebengeschichten als Spiegel für die Beziehung zwischen Kratos und Atreus. Je weiter ihr dabei allerdings in der Geschichte voranschreitet, umso mehr wird klar, dass hier vielleicht etwas ganz anderes vor sich geht, als Kratos befürchtet hat. Was aber genau passiert, müsst ihr natürlich selber herausfinden. Seid aber versichert: die Story ist einfach großartig und sehr viel persönlicher als man es von einem God of War Titel je hätte erwarten können. Insbesondere Kratos ist nun ein sehr vielschichtiger Charakter, der sichtlich von seiner Vergangenheit gezeichnet ist und nun versucht, seinem Sohn ein Vater zu sein.

God of War

Kratos und Atreus erwartet eine ereignisreiche Reise.

 

Völlig neues Spielgefühl

Wer die Vorgänger in der Reihe gespielt hat, weiß, dass man es bisher mit einem sehr linearen, aber dafür extrem epischen Action Hack and Slash Titel zu tun hatte. Das neue God of War geht dabei neue Wege und für viele könnte die neue Struktur fast wie ein Open World Titel wirken. Die Struktur folgt hier allerdings mehr einem Metroidvania. Mit eurem Fortschritt in der eigentlichen Story entdeckt ihr neue Areale, in denen ihr aber immer wieder auch Bereiche findet, die euch vorerst verschlossen bleiben. Hier gilt es, das benötigte Etwas zu finden, um den versperrten Bereich betreten zu können. Diese Umstrukturierung  der Spielwelt ist extrem cool geworden und geht dabei ebenso weit wie die Neuorientierung des Kampfsystems. In den Vorgängern habt ihr in bester Hack and Slash Manier alles zerhäckselt, was euch in den Weg kam. Im aktuellen Titel hingegen müsst ihr methodischer vorgehen, denn eure Gegner machen dies ebenso. Eure neue Leviathan Axt und auch Atreus geben euch aber ein interessantes Arsenal, um eure Gegner in Schach zu halten. Die Leviathan Axt verfügt dabei über eine starke und eine normale Attacke und kann auch geworfen werden. Auf diese Weise könnt ihr nicht nur entfernte Gegner ausschalten, sondern nutzt diese Fähigkeit auch, um Objekte in der Ferne zu treffen etc. Auch für Puzzles nutzt ihr eure Axt, die aufgrund ihres Eiselements Schalter (und auch manche Feinde) temporär einfrieren kann. Ein überraschend gutes Feature der Axt ist aber die Thor mäßige Rückruffunktion. Mit der Dreieck Taste könnt ihr diese zu euch zurückrufen. Mit der Zeit habe ich diese absichtlich in der Umgebung stecken lassen und erst gerufen, wenn ein Feind im Weg stand, um diesen einen Schlag von hinten zu versetzten. Die Entscheidungen, wie ihr eure Axt gerade einsetzen wollt, öffnet eine Vielzahl an Möglichkeiten. Mit der Viereck Taste könnt ihr Atreus steuern und Pfeile auf Feinde schießen lassen. Auch ohne Axt seid ihr aber fähig, den Gegnern einzuheizen, entweder mit blanken Fäusten oder mit eurem Schild. Magie ist zudem immer noch im Spiel verfügbar in Form von Runic Attacks, von denen ihr im Spielverlauf mehrere für Kratos und Atreus findet.

God of War

Zahlreiche Feinde stellen sich euch in den Weg. Offensichtlich keine gute Idee.

 

Mehr Action RPG als Hack and Slash

Der Sprung von einem recht simplen Hack and Slash zu einem RPG ist eine echte Überraschung. Kratos und die einzelnen Teile seiner Rüstung besitzen nun Statuswerte wie Stärke, Glück, Verteidigung und mehr. Im Verlauf des Spiels könnt ihr unterschiedliche Rüstungssets finden, die diese Werte verbessern können. Rüstungen können dabei fertig nutzbar für euch droppen oder erscheinen beim Schmied als herstellbares Equipment, sofern ihr die benötigten Ressourcen und genügen Hecksilver habt. Aufwerten mit den Seelen eurer Feinde ist also eine Sache der Vergangenheit. Die Verwandlung in ein RPG erstreckt sich darüber hinaus auch auf Skills. Kratos, dessen Waffen und Atreus haben eigene Skilltrees mit neuen Attacken oder Statusverbesserungen, die ihr im Verlauf mit XP freischalten könnt. Ich persönlich empfand es so, dass nicht alle Upgrades würdige Upgrades waren. Einige Moves für Kratos hätten auch einfach Standardmoves sein dürfen. Dennoch muss ich sagen, dass mir das RPG System hier sehr gut gefällt, insbesondere da ihr kontinuierlich neue Upgrades sowohl bei der Ausrüstung als auch bei den Skills erhaltet. Eine Stufe tiefer geht man dann noch mit den Enchantments, welche ihr in Slots an eurer Axt/Bogen oder eurer Rüstung einsetzen könnt. Diese geben euch eine breite Palette an Vorteilen wie mehr Schaden, kürzere Cooldowns für Runic Attacken, Gesundheitsregeneration etc. und lassen sich ebenfalls aufwerten. Was fehlt aber noch, um ein RPG aus God of War zu machen? Natürlich Sidequests und von denen gibt es eine ganze Reihe. Die Entwickler haben sich hier nicht lumpen lassen und haben auch in den Nebenaufgaben richtig abgeliefert. Nicht nur, dass ihr reichlich Abwechslung in Sachen Gameplay geboten bekommt, oft lernt ihr auch noch viel mehr über die Mythologie, andere Charaktere oder interessante Details, die später zu mehr führen könnten. 

God of War

Die neuen RPG Mechaniken sind sehr gut gelungen.

 

Der Norden ist beeindruckend

Sobald ihr euer Abenteuer startet, wird euch die neue Kamera zuerst auffallen, vor allem wenn ihr die Vorgänger gespielt habt. Ihr schaut Kratos diesmal über die Schulter und folgt dem Geschehen in einer kontinuierlichen Kamerafahrt ohne jegliche Cuts. Und obwohl ich vorher bereits wusste, dass es keine Videosequenzen im Spiel gibt, hat mich die Grafikqualität oft verleitet zu denken es gäbe doch welche. Die visuelle Darbietung ist schlicht unglaublich. Das Design der Welt, der Feinde und der Charaktere an sich vermischt meisterhaft Fantasy mit Realität und erzeugt eine glaubhafte und dennoch fantastische, nordische Welt. Wirklich beeindruckend ist auch die Liebe zum Detail, die man an allen Ecken finden kann, wie zum Beispiel Kratos Muskeln, die sich unter der Haut bewegen oder Fußspuren, die ihr im Schnee hinterlasst. Die Liste könnte immer so weitergehen, denn auch jetzt finde ich immer noch neue Details, die mir zuvor nicht aufgefallen sind. Ein besonderes Lob verdienen aber auch die Synchronsprecher (ich habe im englischen Originalton gespielt), denn diese liefern eine exzellente Leistung ab. Unterstützt wird alles von einem ausgezeichneten Soundtrack, der das Setting noch sehr viel epischer macht. Ein kleiner Kritikpunkt sei hier aber angebracht, auch wenn er sehr klein ist. Kratos kann an verschiedenen Punkten im Ketten herunterlassen, um so Abkürzungen zu schaffen. Macht ihr dies allerdings, springt sofort Atreus auf Kratos Rücken und dieser beginnt die Kette herabzuklettern, selbst wenn ihr das gar nicht wollt. Beim ersten oder zweiten Mal ist das noch kein Problem, da sich diese Stellen aber im ganzen Spiel finden, ist zumindest leicht nervig. Alles in allem aber eine Schwachstelle, mit der man leben kann.

 

Positiv:

Kratos ist endlich ein komplexerer Charakter mit mehr Tiefe geworden
Die Vater-Sohn Story bleibt bis zum Ende spannend und emotional
Das neue Kampfsystem ist wuchtig und deutlich taktischer als jedes seiner Vorgänger
Das Design und technische Leistung ist selbst auf einer normalen PS4 einfach unglaublich
RPG Systeme und Sidequest passen hervorragend zum neuen Setting und vertiefen das Gameplay deutlich
Nebenaufgaben beschäftigen euch auch noch über die etwa 30 Stunden lange Story hinaus

Negativ:

Kleine nervige automatische Abstiegsanimation
  • God of War
    “God of War beweist eindrucksvoll, dass Singleplayer Titel ohne zusätzliche Monetarisierung noch lange nicht am Ende sind. Sony Santa Monica hat es nicht nur geschafft, Kratos als Charakter auf eine neue Ebene zu heben, sie haben dazu auch das gesamte Gameplay in der Evolution vorwärts katapultiert. Die Story um Kratos und Atreus und deren angespannte Beziehung steht dabei bis zum Ende im Fokus. Was aber nicht bedeutet, dass man auf die bekannten epischen Momente verzichten muss. Vielmehr haben die Entwickler das Epic-Meter auf 11 gedreht und präsentieren euch zahllose, grandios inszenierte Momente. Spektakulär choreografierte Bosskämpfe, umwerfende Landschaften und vieles mehr haben mehr als einmal bei mir für einen offenen Mund gesorgt. Das überarbeitete Kampfsystem ist deutlich taktischer und fühlt sich deutlich bodenständiger an als je zuvor. Wuchtige Hiebe gefolgt von magischen Runic Attacken und einem Pfeilhagel von Atreus, halten euch eine Vielzahl an mystischen Gegner des Norden vom Hals. Die neu eingefügten RPG Elemente passen dabei überraschend gut in das Gameplay und motivieren euch nach neuer Ausrüstung, Talismanen und Enchantments zu suchen. In der etwa 30 Stunden langen Story erwartet euch dabei ein sehr ausgewogener Gameplay Mix, sodass hier keine Langeweile aufkommt. Aber auch nach dem Abspann solltet ihr noch jede Menge zu tun haben bevor wirklich fertig seid. God of War ist ohne Übertreibung ein Meisterwerk, sowohl was Gameplay betrifft als auch Story, Design und Musik. Niemand sollte sich diesen Titel entgehen lassen.”

    Marco Schmandt, Redakteur

God of War erhält den NAT-Games Award

Ab in die Sammlung?

God of War ein Must Have Titel und ein absoluter First Party Hit, den sich kein Playstation Besitzer entgehen lassen darf.

 

Marco Schmandt
Geschrieben von
Ist unterwegs als Space Ninja in Warframe

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