AER: Memories of Old – Test zur Erkundung in luftigen Höhen

AER: Memories of Old – Test zur Erkundung in luftigen Höhen

Die Mitarbeiter des schwedischen Entwicklerstudios Forgotten Key, die den Indie-Titel AER entwickelten, kann man an zwei Händen abzählen. Das Spiel lockt mit einer einzigartigen Optik und reizt mit seiner offenen Welt, die es zu erkunden gilt. Bereits zweimal konnten wir uns das Spiel vorab ansehen (gamescom 2016 und gamescom 2017) und die Entwicklung mitverfolgen. Wie der fertige Titel sich nun spielen lässt, erfahrt ihr in unserem Test.

 

Erlebt die Geschichte eurer Vorfahren

In AER spielen wir die Protagonistin Auk, die auf ihrer Pilgerreise drei Tempel im Land der Götter besuchen muss, um die drohende Leere und damit den Untergang der Menschen abzuwenden. In der Vergangenheit gab es schon einmal eine solche Bedrohung im Land der Götter, welches aus einer einzigen schwebenden Insel bestand. Nun ist die Insel in ihre Einzelteile über den Himmel zersplittert und um sich von der einen zur anderen Insel fortzubewegen, muss man frei wie ein Vogel schweben können. Die erste Station eines jeden Pilgers ist Karahs Schrein, in welchem wir eine magische Laterne namens Karahs Licht erhalten, mit der wir die Geister unserer Ahnen sehen können. Die Abbilder der Vorfahren lassen sich überall auf der Welt verteilt, finden und geben uns Hinweise auf die Geschehnisse aus der Vergangenheit. Viele Geister stellen eine Szene dar, während andere sogar ganze Sätze für uns preisgeben, wenn wir sie mit der Laterne anleuchten. Zudem lassen sich überall im Land verteilt einzelne Steintafeln und Schriftrollen finden, die uns Erlebnisse oder wichtige Personen aus der Vergangenheit schildern. Während man so in der Vergangenheit des Spiels stöbert, fühlt man, wie verzweifelt oder auch emotionsgeladen die Menschen der damaligen Zeit waren. Sie mussten Kriege und auch andere harte Zeiten durchstehen, weshalb die Erkundung der Inseln zu einer emotionalen Reise wird, in der man über das Leben sinniert und einfach nur die Natur genießt.

Alte Bauwerke und Ruinen weisen auf eine untergegangene Zivilisation hin.

 

Natur pur

Doch neben der Geschichte ist vor allem das Hier und Jetzt ein wichtiger Bestandteil von AER. Es geht darum, die Natur zu erleben und die einzelnen Szenerien der Inseln zu genießen. Dabei erwartet den Spieler eine Natur in der Cel-Shading Optik, bestehend aus allerlei Polygonen. Damit die Menschheit nicht zu sehr in den Vordergrund rückt, sind die wenigen Bewohner der Inseln ohne richtige Gesichter versehen, lediglich Details an der Kleidung verraten etwas über die Person. Zudem finden sich in der malerischen Natur viele Tiere, die auch auf Auk reagieren. Kleine Lämmchen rennen zunächst weg, können Auk aber auch mit süßen Herzchen begrüßen. Anmutige Rehe, bunte Vogelschwärme und auch Kitsune prägen die Landschaft mitunter. Um die Welt zu erkunden, benötigt ihr keine Items oder Ähnliches, um zu bestimmten Orten zu gelangen. Die Welt ist von Beginn an offen und lässt euch euer eigenes Tempo, mit dem ihr die Welt erkunden wollt. Euch erwarten zudem im gesamten Spiel keine Gegner, an denen ihr euch messen müsst. Somit kann die Natur vollends genossen werden. Auch beim Durchfliegen der Wolken erwarten euch schöne Animationen und ebenso könnt ihr den Wind sehen, der durch die Landschaft fegt. Hinzu kommt ein orchestraler Sound gepaart mit stimmungsvollen Lichteffekten, die die ruhige Natur und die dramatischen Schicksale des uralten Volkes unterstützen. Denn die Natur ist nicht nur gespickt mit langweiligen Landschaften, sondern beinhaltet allerlei Ruinen und andere Überbleibsel einer alten untergegangenen Zivilisation.

Beeindruckende Landschaften sind das Markenzeichen von AER.

 

Ein Tempel voller Schalter

So schön die Natur auch sein mag, die Story hinter AER wirkt mehr wie ein Mittel zum Zweck. Am Ende des Spiels bleiben viele Fragen offen, denn es erfolgt kein epochales oder episches Ende, sondern vielmehr eine Szene, mit der ich mich als Spieler nicht zufriedengeben wollte. Wenn ihr die Welt zügig durchquert, seht ihr bereits nach gerade einmal zwei Stunden das Ende des Titels, mit dem Erkunden der Inseln schätze ich die Spielzeit auf das Doppelte. Wollt ihr wirklich nur die Story verfolgen, dienen euch als Hinweise Lichter in der Landschaft, die euch den nächsten wichtigen Ort markieren. Zudem könnt ihr mit den wenigen Bewohnern einer Siedlung sprechen, die euch Hinweise auf wichtige Orte geben. Im Spiel gibt es insgesamt drei Tempel, in denen ihr Fragmente einsammeln müsst, um die Leere aufzuhalten. Doch um in die Tempel zu gelangen, müsst ihr vorher auf einer anderen Insel einen Schlüssel eingesammelt haben, den euch ein Tierschutzgeist überreicht hat. Die Tempel an sich sind dann ebenfalls mehr Erkundungsschauplatz als ein richtiger Ort voller Rätsel. Ihr habt es mit verwinkelten dunklen Gebäuden ohne irgendeine Übersichtskarte zu tun, in denen ihr eure Laterne nutzen müsst, um Schalter zu aktivieren oder allersimpelste Rätsel zu lösen. Habt ihr einen Schalter aktiviert, gibt er euch den Weg zu einem neuen Schalter frei und das so lange, bis ihr alle wichtigen Schalter gefunden habt, um die Tür zum allerletzten Raum zu öffnen. Generell könnt ihr nicht wirklich mit vielen Gegenständen interagieren, zudem könnt ihr weder rennen noch sprinten. Allerdings zählt der Sprung zu Auks Repertoire und so erwarten euch in den Tempeln viele Jump’n’Run Einlagen.

In den Tempeln erwarten euch Jump’n’Run Einlagen und Schalter ohne Ende.

 

Flieg, Vögelchen, Flieg!

Als Flüsternde, eine der Auserwählten, ist es Auk möglich, sich in ein bestimmtes Tier zu verwandeln: Einen Vogel. Dadurch ist es für sie möglich, von Insel zu Insel zu fliegen. Als Orientierung dient dabei ein Kompass, der auf dem oberen Bildschirmrand die Himmelsrichtungen anzeigt. Die einzelnen Bewohner geben euch Hinweise auf neue Orte, indem sie euch die Himmelsrichtung vom derzeitigen Standpunkt aus angeben. Somit könnt ihr euch mit dem Kompass bestens orientieren. Das Fliegen an sich viel mehr in der PC-Version deutlich schwerer als in der Konsolenfassung. Denn während ihr auf der Konsole noch ganz leicht durch die Wolken geschwebt seid, erlebt ihr mit der Tastatur öfters die ein oder andere Bruchlandung, weil ihr den Vogel nicht optimal kontrollieren könnt.

 

Positiv:

Umwerfende Spielwelt bestehend aus Polygonen in Cel-Shading Optik
Orchestraler Sound und stimmungsvolle Lichtspiele in der Natur
Spannende Hinweise in der Natur über untergegangene Zivilisation
Orientierung über den Kompass beim Durchschweben der Wolken lässt einen vogelfrei fühlen

Negativ:

Rätsel und Story sind mehr Mittel zum Zweck
Mit einer Spielzeit von etwa zwei bis vier Stunden viel zu kurz
Gelegentliche Bugs, bei denen man feststecken bleibt
  • AER: Memories of Old – Test zur Erkundung in luftigen Höhen

    “AER: Memories of Old bietet eine sagenhafte Spielwelt, die den Spieler mit einem einzigartigen Look förmlich in den Bann zieht. Sie ist geprägt von einer uralten Zivilisation, deren Untergang man in kleinen Schaubildern verstorbener Geister mitverfolgen kann. Dabei lässt einen das Spiel am Ende nachdenklich und mit mehr Fragen als zu Spielbeginn zurück. Alleine deswegen lohnt es sich, AER einmal näher zu betrachten. Doch die geringe Spielzeit und die Rätsel, die in die Spielwelt gezwungen wirken, schmälern ein wenig den Spielspaß. Ihr solltet nicht darauf aus sein, eine bombastische Story zu verfolgen, denn dann werdet ihr am Ende enttäuscht den Credits entgegenblicken. Doch trotz einiger negativer Aspekte ist es wirklich beeindruckend, zu sehen, was für einen tollen Titel man mit einem so kleinen Entwicklerstudio hervorbringen kann.”

    Jasmin Paskuda, Redakteurin

Auf ins Wolkenreich?

Falls ihr ein Spiel sucht, in dem ihr in eurem eigenen Tempo eine malerische Welt erkunden dürft, ist dieses Spiel genau richtig für euch. Allerdings sollten Liebhaber von bahnbrechenden Storys und actionlastigen Rätseln die Finger von AER lassen.

Jasmin Paskuda
schwärmt heimlich für ein Leben als Strohhutpiratin!
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